9. Juli 2016

Die Alpen in Zahlen

Die Alpen von oben, Satellitenbild der NASA.
  • 2,5 Prozent der Gesamtoberfläche der Alpen sind künstliche Oberflächen
  • 10 Prozent der Flüsse der Alpen sind noch naturbelassen
  • 15 Prozent der Gesamtoberfläche sind vegetationslose Flächen, davon 1,8% Gletscher
  • 17,7 Prozent sind Agrarfläche
  • 18,1 Prozent Gras- und Buschvegetation
  • 45,3 Prozent wird von Wald bedeckt
  • Um 150 n.Chr. Werden die Alpen zum ersten Mal in der „Geographie“ des Ptolemäus erwähnt
  • Murmeltiere leben erst ab einer Höhe von 800m SH
  • Der Alpenbogen ist 1.200 Kilometer lang, an der schmalsten Stelle sind die Alpen an die 100, an der breitesten Stelle 250 Kilometer breit
  • 3.600 Quadratkilometer sind Gletscherfläche, um 1850 waren es noch 7200 
  • 30.000 Gipfel gibt es in den Alpen, davon sind 82 höher als 4.000 Meter
  • 40.000 Steinböcke leben in den Alpen heute, 100 waren es um 1821 als die Art unter Schutz gestellt wurde
  • Die Gesamtfläche der Alpen beträgt 190.959 Quadratkilometer
  • 13,6 Millionen Menschen leben in den Alpen, 7,8 Millionen waren es um 1870
  • 120 Millionen Menschen besuchen die Alpen jedes Jahr
  • 48x10^13 Tonnen wiegen die Alpen

6. Juli 2016

Geschichte geologischer Begriffe: Geosynklinale

Bis in die 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war die Kontraktionstheorie – eine schrumpfende Erde – um Gebirgsbildung zu erklären sehr populär. In dieser Theorie lagerten sich die Sedimente die später die Gebirge aufbauen sollten in langgestreckten Ozeanen – die Geosynklinalen – ab. Das Konzept wurde durch den Geologen James Hall in 1859 eingeführt aufgrund seiner Studien zur geologischen Geschichte der Appalachen. Er bemerkte das Verfaltung und spröde tektonische Störungen gleichzeitig vorkommen. Hall nahm an das die Deformation durch das Absinken der Geosynklinale entsteht, später werden dann die Berge einfach nach oben gedrückt.
Diese Troge konnten weiter unterteilt sein, in tieferen Bereichen lagerten sich typische Tiefwassersedimente und Vulkanite ab, in flachere Bereiche, näher am Kontinent liegend, dagegen Flachwassersedimente. Wenn die Erde sich zusammenzog quetschte sie dabei die Geosynklinalen zusammen und die Sedimente wurden emporgehoben. Man war der Ansicht das diese Gebirgsbildung in feste Phasen von 100-200 Millionen Jahre stattfindet, da sich die Geosynklinale füllen musste, dann erfolgte Einengung und Kompression und als Abschluss Dehnung und Zerbrechen des Gebirge – durch Erosion wurde dabei das Gebirge abgetragen und die nächste Geosynklinale wurde gefüllt und ein neuer Zyklus konnte beginnen.

 
Abb.1. Die Geosynklinale der Alpen im Buch „Die Welt der Alpen“ (1970-1993)... und Lemuria ist auch noch da...(die mexikanische Geosynklinale mitten in Europa ist wahrscheinlich ein Druckfehler ;)

Auch wenn der Begriff heute noch gelegentlich auftaucht, so ist er doch veraltet, da die moderne Plattentektonik eine weit kompliziertere Entstehungsgeschichte der Gebirge – vor allem nicht so zeitlich angeordnete Phasen – vorsieht. 

2. Juli 2016

Die Sage vom Tiefrastensee und der vergessene Bergbau in Tirol

Vor langer Zeit schürfte man in den Bergen um Terenten nach Gold, Silber und besonders Edelsteine. All die Reichtümer gehörten dem Herrn dieser Berge - Mute den Zwerg - der die Knappen aber reichlich für ihre Anstrengungen entlohnte.

Eines Tages aber – so die Sage – fanden die Knappen tief im Berg einen besonders schönen Kristall. Diesen wollten sie für sich behalten und heimlich an den Meistbietenden verkaufen. Der Zwerg Mute erfuhr das die Bergleute ihn betrügen wollten. Darüber war er so erbittert und traurig, dass er all des Reichtums überdrüssig wurde. In der Nacht zog  ein furchtbares Unwetter auf und tief aus dem Berg quoll Wasser hervor. Als am nächsten Morgen die Sonne aufging fanden die Knappen ihre Hütten nicht wieder, es lag nur noch ein dunkelblauer See still da - der Tiefrastensee. Den Zwerg Mute hat man aber seither nie wieder gesehen und auch die Stollen zu den Schätzen der Berge sind für immer verschwunden.

Der Tiefrastensee heute.

Sagen zum Bergbau sind in Tirol – einem alten Bergbaugebiet – weit verbreitet. Die Umgebung von Terenten gehört zum Altkristallin und besteht aus einer relativ monotonen Abfolge von Gneisen und Schiefern, man würde daher von rein geologischen Gesichtspunkten keine besonderen Lagerstätten erwarten. Was aber hat es dann mit dieser Sage des verlorenen Bergsegen auf sich?
 
Tatsächlich gibt es einige Stollen in der Nähe der kleinen Ortschaft Uttenheim, die in ähnlichen Gesteinen angelegt sind. Es handelt sich dabei um bis zu 40m lange Prospektionsstollen.  Sagen gehen so weit zu behaupten das auch ein geheimnisvolles, weitläufiges Schacht-und Stollensystem im nahen Walburgisgraben, oberhalb von Kematen, existiere oder dieses mit den Stollen auf der diesseitigen Talflanke verbunden sei.

Altes Stollenmundloch.

Die zugänglichen Stollenmundlöcher bei Uttenheim werden von den Einheimischen als antrische (unheimliche/verhexte) Löcher bezeichnet. Ihr genaues Alter ist unbekannt, manche Geschichten verlegen sie in die Römerzeit, dafür gibt es allerdings keine archäologischen Beweise.  Archive aus Steinhausen (wo das Berggericht des berühmten Kupferbergwerk von Prettau lag) geben an das einem gewissen Franz Widmair im Jahre 1530 Schürfrechte an den „alten verlegenen Bau, St. Katherina“ erteilt wurden, wahrscheinlich ist damit diese Gegend gemeint  – in eine Zeit in dem in Tirol der Bergbau aufblühte und zahlreiche Probeschurfe im ganzen Land angelegt wurden. 


Die Schürfe bei Uttenheim waren wohl nie sonderlich ertragreich und wurden wohl bald aufgegeben, der Gneis hier ist relativ kompakt und nur eine leichte Braunfärbung weist auf geringe Gehalte von Metallen hin. Ein möglicher geringer Ertrag stand dem hohen Aufwand entgegen. Vielleicht spielt die Sage von den verlorenen Schätze von Terenten auf diese oder ähnliche Probestollen hin, denen – all Bemühungen zum Trotz - der Bergsegen versagt blieb.

29. Juni 2016

Die Erdpyramiden von Terenten

Die Erdpyramiden von Terenten sind insofern interessant als ihre Geschichte sehr genau bekannt ist - sie gehen auf ein Unwetter (mit mehreren Toten) im Jahre 1837 zurück, als der Terner Bach den Steilhang  freilegte und so die Erosion der überkonsolidierten Moräne begann. Um 1920 sind einige zerschnittene Kämme beschrieben, um 1935 einige Erdpyramiden mit Deckstein und um 1956  bereits eine „Erdpyramidenlandschaft“.
 

In PERNA (1971) „Erdpyramiden im Trentino und in Südtirol“ lesen wir:
 

Die unterste Lage des Gletscherschutts ist hellgrau und undeutliche geschichtet; sie enthält fast ausschließlich grobkörnige Granitmaterial und ziemlich abgerundete Steine und Felsblöcke. Die darüberliegenden Schicht ist dunkler und enthält Granit, Orthogneis und etwas Grünschiefer; sie ist deutlich geschichtet und völlig ohne größere Gesteinsbrocken. Die oberste, ein paar Meter hohe Lage besteht wieder aus hellem Material. Gegen den Berg hin herrschen Racheln und Ruinenstädte mit mächtigen Pfeilern vor […] talwärts stehen hingegen spitzkegelige und klassische Pyramiden. Interessant ist die Tatsache , daß die Erosion hier auf zwei Schuttmassen mit fast gleichen Eigenschaften eingewirkt hat: in der mit Felsblöcken kam es zur Bildung von pyramiden der klassischen Form, in der anderen, die keine Felsblöcke enthält, konnten sich nur Ruinenstädte und Racheln bilden.

Die Ablagerungen sind im Gegensatz zu klassischen Moränen schwach geschichtet, Hinweiß das es sich um umgelagertes Moränenmaterial, wahrscheinlich durch fluviatile Prozesse vor dem sich zurückziehenden eiszeitlichen Talgletscher, handelt.
 


21. Juni 2016

Eduard Suess und die Geologie der Alpen

Eduard Suess (1831-1914) war ein österreichischer Geologe der viele der noch heutigen Grundprinzipien des tektonischen Aufbaus der Alpen erkannte und beschrieb. 

Eduard Suess im Jahre 1869, nach einem Stich von Josef Kriehuber.

Nach dem Studium fand er seine erste Anstellung im Mineralogischen Hof-Cabinet (Vorläufer das Naturhistorischen Museums) in Wien. Später kartierte er in der Schweiz und begründete im Sommer 1856 die „alpine Geologische Gesellschaft“ die „das ganze Rückgrat von Europa, von Lyon bis Wien“ studieren sollte, allerdings waren die Behörden nicht sonderlich erfreut über internationale Zusammenarbeit (die Revolutionsjahre 1848/49 waren noch nicht vergessen) und so wurde es leider  nichts aus der geplanten Gesellschaft.
 
Zusammen mit dem Geologen Franz von Hauer (1822-1899) arbeitet Suess an einem Profil der Alpen. Hier erkannte er wichtige geologische Unterschiede zwischen den Alpen und der böhmischen Masse (ein Mittelgebirge im Osten von Österreich). 1875 publizierte er „Die Entstehung der Alpen“ in diesen Büchlein beschreibt er den Zusammenhang der Alpen mit den Dinariden und Karpaten, die durch „mehr oder minder horizontale und gleichmässige Gesamtbewegung...“ aufgerichtet wurden. Suess erkannte das die Gebirge und Gebirgsrümpfe in Europa zu mindestens drei verschiedene Gebirgssysteme gehörten, in Struktur und im Alter zu unterscheiden – die Alpen mit den Pyrenäen im Westen und den Dinariden und Karpaten im Osten zum Alpinen System, die Gebirgsrümpfe auf der spanischen Halbinsel, Frankreich und die Böhmische Masse zum Variszischen System und die Britischen Mittelgebirge zusammen mit den Gebirgen Skandinaviens zum Kaledonischen System.
Er dehnte seine geologischen Ansichten schließlich auf die gesamte Erde aus, die er in seinem 3-bändigen Werk „Das Antlitz der Erde“ (1883-1909) beschrieb.

Geologische Gliederung Europas nach Suess 1893 mit Einteilung in kaledonische, variszische und alpine Gebirgssysteme.
 
Literatur:
 
HOFMANN, T. (2014): Ein herrliches Hochgebirge,…! Eduard Suess – Geologe mit Weit- und Überblick. Bergauf 04-2014: 73-75

15. Juni 2016

Die Jagd nach dem Himmelsfeuer

Die Jagd nach dem Himmelsfeuer, der norwegische Physiker Kristian Olaf Bernhard Birkeland (1867-1917) konnte  in ausgehenden 19° Jahrhundert nachweißen das Polarlichter durch die Interaktion des Sonnenwinds mit der Atmosphäre und dem Magnetfeld der Erde entstehen. 

4. Juni 2016

Kunst & Geologie: Die Kunst im Bergbau

Darstellungen von Bergbau sind selten im frühen Mittelalter und die wenigen Überlieferungen oft mit ungenauen Details versehen. Vielleicht aus religiösen Gründen, Bergbau wird in der Bibel relativ selten erwähnt und fällt daher für viele Künstler (und Auftraggeber) zunächst als interessantes Thema weg. 

Abb.1. Suche nach Mineralien, Miniatur in einer mittelalterlichen Ausgabe "Die Natugeschichte des Cajus Plinius Secundus".

Erst mit der Blüte des Bergbauwesen ab dem 15. Jahrhundert ändert sich dies. Religiöse Darstellungen an Altären mit Heilige, zuständig für den Bergbau wie die Heilige Barbara, kommen im 16. Jahrhundert auf. Die ältesten Skulpturen von Bergleute finden sich dann auch in der Kapelle am Welfesholz bei Mansfeld. Handsteine waren Erzstufen die mit christlichen Symbolen verziert wurden.

Als Höhepunkte der Bergbau-Kunst werden unter anderem Werke wie „De Re Metallica“ des Georgius Agricola und das „Schwazer Bergbuch“ (beide um 1556) angesehene. Beide Werke folgen der Tradition der Volksbücher, Bücher die mit zahlreichen Abbildungen versehen waren, stellen sie aber auch technische Werke dar, die die richtigen Arbeitsabläufe in einem erfolgreichen Bergwerk darstellen. Georgius Agricola veröffentlichte sein Werk in Eigenregie, das Schwazer Bergbaubuch wurde dagegen in Auftrag gegeben in Anlehnung an ähnliche Werke die Festungsbau und Architektur behandelten.
Abb.2. Silber-Bergwerk am Schneeberg, Schwazer Bergbaubuch um 1556.

Die ersten Grubenkarten waren einfache Zeichnungen auf denen der Verlauf der Stollen eingetragen wurden. Später kommen Karten auf die die Verhältnisse in der Grube oder auf der Oberfläche festhalten nebst separater Beschreibung.
 
Abb.3. Grubenplan aus der Vogelperspektive des Prettauer Kupfererzgruben aus dem Jahre 1584, mit Stolleneingängen, Zugangswegen und Bergbaugebäuden - eine typische Darstellung für die damalige Zeit durch den Kartographen Johannes Isidor Prixner. Man beachte auch den Grubenkompass am linken Kartenrand. Die Abbildungen der Mundlöcher des Stollens geben auch Hinweiße auf die Auszimmerungsart und Charakter des anliegenden Terrains.

Manche Bergbaukarten und Grubenkarten wurden oft mit künstlerisch wertvollen Miniaturen verschönert, z.B. beim Bergbaumaßstab oder freier Platz wurde mit allegorische Darstellungen des Bergbaus ausgefüllt. Beliebt waren Gebäude des Bergbaus, Personen oder Arbeitsschritte und -werkzeuge. Der Kompass für die Orientierung der Karte war beliebtes Ziel der Verschönerung, meist wurden verkreuzte Gegenstände (z.B. Keilhaue und Schaufel) dargestellt. Dargestellt wurden neben Werkzeuge des eigentlichen Bergbaus auch Zeichengeräte die für die Herstellung der Karten und Grubenpläne verwendet wurden.
Sonne und Mond waren Symbole für Gold und Silber wie oft die astrologischen Symbole für die in der Grube gewonnen Metalle verwendet wurden. Sehr selten sind Darstellungen von mythologischen oder Märchenwesen. Tiere wie Hunde, Hasen und Vögel treten ebenfalls selten auf.

Abb.4. Putto mit Kompass, aus einem Minenplan von A.Rupprecht, um 1770

Im Laufe der Zeit wurde immer größerer Wert auf die Übersichtlichkeit und Vollständigkeit der dargestellten Informationen gesetzt und die verschönernden Elementen verschwanden von den Karten. Teilweise ein Verlust, erzählen uns die Bilder doch von Bergbaufolklore, vom Leben der Knappen und der damaligen Bergbautechnik, eine reiche Quelle für den Geschichtswissenschaftler.